VON HIPPOKRATES BIS HARVEY

(Aus der Geschichte der Medizin)

Der Blutkreislauf, bestehend aus dem Herzen und den Blutgefäßen, stellt ein Röhrensystem dar. Die linke Herz­kammer pumpt sauerstoffreiches Blut in die Hauptschlag­ader, die Aorta, und in die Arterien, die sich bis m die Organe und Gewebe des Körpers, schließlich bis in die feinen Kapillaren weiter verästeln. Von hier aus fließt das Blut zurück zum Herzen. Es ist nun sauerstoffarm und wird von der i rechten Herzkammer in den kleinen Lungenkreislauf gepumpt, wo es erneut mit frischem Sauerstoff angereichert wird.

über zwei Jahrtausende medizinischer Forschung waren notwendig, bis es gelang, das Problem der Blut­bewegung im Organismus des Menschen zu lösen.

Hippokrates nahm an, das Herz sei Mittelpunkt eines Gefäßsystems, durch das das Blut in alle Körperteile ströme, ohne jedoch wieder zum Herzen zurückzukehren.

Ein halbes Jahrtausend später stellte Galen sein System auf, wonach das Blut aus dem Speisebrei in der Leber gebildet wird und von dört über das Herz, die Lunge und wiederum das Herz in den Körper gelangen sollte, um dort restlos zu versickern.

Bis ins siebzehnte Jahrhundert blieb Galens Lehre vom sich stets erneuernden Blutumlauf gültig, obgleich der spanische Arzt Serveto bereits um die Mitte des 16. Jahr­hunderts den sogenannten Lungenkreislauf beschrieben hatte. Diese bedeutsame Feststellung wie auch die von italienischen Forschern gemachte Entdeckung der Venenklappen, die ein Zurückfließen des verbrauchten Blutes verhindern, bildeten schließlich die Grundlage, dank der William Harvey den gesamten Blutkreislauf entdecken konnte.

In Tierversuchen ergründete Harvey die Pumpnatur des Herzens; er wog die Menge des bei jeder Herzkon­traktion in die Aorta ausgestoßenen Blutes und errechnete den stündlichen Auswurf. Die Menge des Auswurfs ist so groß, daß weder die Leber sie ständig neu produzieren noch der Körper sie aufbrauchen könnte. 1628 gab Harvey seine Entdeckung des großen und des kleinen Blutkreislaufes in der Schrift „Die Bewegung des Herzens und des Blutes“ bekannt.

Mit seinem primitiven Mikroskop konnte Harvey noch nicht das Problem des Blutübeibergangs von den Arterien in die Organe und Venen lösen. Das gelang erst dem italienischen Arzt und Naturforscher Malpighi, der mit Hilfe seines 180fach vergrößernden Mikroskops 1661 das Kapillar- oder Haargefäßnetz entdeckte.

UBUNGEN

I. Erklären Sie die Bestandteile der Zusammensetzungen:

Blutkreislauf; Röhrensystem; Hauptschlagader; sauerstoffarm; Mittelpunkt; Speisebrei; Tierversuch; Haargejäb; Naturforscher; Herzkammer; Lungenkreislauf

2. Setzen Sie laut Text die fehlenden Wörter ein:

1. Das Herz hat zwei . . . und zwei . .2. Die linke Herzkammer pumpt . . . Blut in . .3. Das venöse Blut der oberen Körperhälfte gelangt durch . . . zum 4. Von der rechten Herzkammer gelangt das Blut in . . 5. Im Kapillargebiet der Lunge wird das Blut mit . angereichert.

3. Verwenden Sie in Sätzen

a) die Verben: pumpen, aufstellen, gelangen, versikkern, anreichern, ausstoßen, sich verästeln, wiegen;

b) die Substantive: die Herzkammer, der Speisebrei, die Heilkunde, der Naturforscher, der Tierversuch, die Darstellung, der Mittelpunkt.

4. Beantworten Sie folgende Fragen:

l. Woraus besteht der Blutkreislauf? 2. Wie lange dauerte es, bis es den Medizinern gelang, die Blutbewegung zu erklären? 3. Wie erklärten die Blutbewegung Hippokrates und Galen? 4. Wann veröffentlichte Harvey seine Entdeckung des Blutkreislaufes?

5. Beschreiben Sie den Blutkreislauf im menschlichen Körper. )